Stolz sein auf sich - darf man das?

Einer meiner Klientinnen habe ich nach der Sitzung gesagt, sie könne richtig stolz auf sich sein. Sie habe schon so viel Mut bewiesen und Gefühle gelöst.

Der Klientin war es gar nicht recht, dass ich sagte, sie könne stolz auf sich sein. Sie meinte nur, dass sie es nicht gewohnt ist, Lob anzunehmen oder sich selber zu loben.

Viel lieber würde sie das Lob als unwichtig abtun und darüber hinweggehen. Meine Aussage war ihr schon fast peinlich. Und doch hatte sie sich über meine Worte ein wenig gefreut.

 

Das hat mich sehr nachdenklich gemacht

Nachdem meine Klientin gegangen war, habe ich an mein früheres Ich gedacht und habe gesehen, dass es bei mir früher genau so war.

Ich konnte ein ausgesprochenes Lob kaum ertragen, habe es nicht wirklich angenommen und noch lieber als

unwichtig oder selbstverständlich abgetan. Dabei war ich immer auf der Suche nach Bestätigung, nach Anerkennung von anderen Leuten. Und wenn ich diese Bestätigung endlich erhalten hatte, konnte ich irgendwie doch nichts damit anfangen oder habe mich nicht richtig darüber gefreut. Die Anerkennung war wie ein Tropfen auf den heissen Stein. Es war nie genug da. Mein «Tank» des Lobes war immer leer.

Ich hatte immer das Gefühl, dass auf sich stolz sein, etwas mit Ueberheblichkeit zu tun hat.

 

Was hatte sich in der Zwischenzeit geändert?

Dadurch, dass ich mich selber immer mehr lieben und akzeptieren lernte, konnte ich mit Lob immer besser umgehen. Mein Selbstbild hat sich über die Jahre gewandelt und ich konnte mich am Schluss sogar selber loben und wertschätzen.

Ich wurde immer zufriedener in und mit mir. Mein «Tank» des Lobes war nicht ständig leer, sondern wurde durch mich selber gefüllt. Ich musste die Anerkennung nicht mehr im Aussen suchen, ich fand diese in meinem Inneren durch mich selber, was mich innerlich sehr zufrieden macht. Es herrscht bei mir keine "Ohrfeigen" Zone mehr. ;-)

Die Veränderung bzw. dieses sich selber genügen und mit sich zufrieden sein, war mir gar nicht aufgefallen. J

Erst durch das Gespräch, habe ich mich wieder daran erinnert, was mir früher so wichtig war und dass ich heute nicht mehr auf der Suche im Aussen bin. Ich bin meiner Klientin sehr dankbar, dass sie mir dies gezeigt hat.

 

Und ich war nachher ganz stolz auf mich und habe mich an meiner Entwicklung gefreut und mich selber dafür gelobt J

Vielleicht habe ich dich ermutigt dies auch selber auszuprobieren?

 

Man kann das Leben nur rückwärts verstehen, aber leben muss man es vorwärts.

(Zitat: Søren Kierkegaard)

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